Das Weib an seinem Platz | Mein erstes Buch | ab 17. August 2026 | Mein Geschenk für Dich: Leseprobe & Frequenz eines ErdenPortals |
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Frauen, die meine Weiblichkeit prägen | Teil 2: Mutter & Töchter

Die Frauen hinter mir.
Die Frauen meiner Familie.
Die Frauen nach mir.

Ich seh sie in anderem Licht,
seit ich Großmutter geworden bin.

Aufgerückt. Eingeordnet. Nächste Generation.

Ein weites, ein starkes Netz.
Eines, das trägt.
Durch alle Zeiten.
Ob es mir gefällt oder nicht.

BlutLinie \

Von den Großmüttern & Tanten hab ich geschrieben.

Standleitung zu Oma

Meine Mutter.

Geboren im Krieg.
Geboren in Nürnberg.

Ich weiß von Hunger
und von Eisblumen an den Wänden des Zimmers,
das sie mit ihrer jüngeren Schwester teilte.
Ich weiß von herbstlichen Zuckerrüben Laternen mit Fratzen,
die ihre Cousins auf Stecken draußen in ihr Fenster hielten
in den schleierdünnen Nächten um Allerheiligen.
Ich weiß von Kohlefeuern und von langen Märschen
in den benachbarten Ort für ein paar Stunden Kino.

Die alten Filme in schwarz | weiß
haben wir zusammen geschaut.
Immer wieder, auch spät am Abend.
Casablanca. Some Like it Hot. The Big Sleep.
Später hab ich sie mit meinen Töchtern geschaut.
Die Erstgeborene hat Theater- und Medienwissenschaften studiert
und ist heute Redakteurin eines Fernsehsenders.

Neben unserem Weihnachtsbaum stand früher immer ein Eimer Wasser.
Tochter eines Feuerwehrmannes und leidenschaftlichen Feuerwerkers.

Weihnacht in meinem Zuhause

Meine Liebe zum Kuchen am Nachmittag,
die hab ich wohl von meiner Mutter.

Ich erinner mich an Mittagsschläfchen
und danach eine Tasse Kaffee und ein Stück Süßes vom Konditor.
Selten ein ganzes, meistens Häppchen von mehreren.
Aufgeteilt über Tage.
(Mach ich genau so.)
Dazu ein Buch oder eine Zeitschrift.
(Yes, das ist der ultimative Genuss.)
Dabei durften wir sie nicht stören.
Damals hab ich das nicht verstanden.
In den Jahren mit vier Patchwork Kindern und Hund
in einem dreihundert Quadratmeter Loft
mit dem Esstisch mittendrin dann _ ach Mama.

Ich erinner mich an Orangenschnitze mit Gabel serviert,
wenn ich Fieber hatte und im Bett liegen musste.
Manchmal durfte ich dann im Elternbett liegen tagsüber,
um näher am Tagesgeschehen zu sein.
Diese andere Energie im Zimmer kennen meine Zellen bis heute.

Ich erinner mich an Bügelstunden in dem Kellerraum
genau unter meinem Zimmer, den ich mir so gern
als Geheimversteck à la Phantomias | Donald Duck ausgebaut hätte,
an ihren Kopf in endlosen Wälzern (‚zum letzten Mal, wirklich‘)
für ihre Führungen im Germanischen Nationalmuseum,
an ein immer gut bestücktes Süßigkeitenfach ganz oben in der Küche
und tagelanges Marmeladekochen aus Kirschen & Erdbeeren im Sommer.

Mein Elternhaus _ MatschLiebe

Ich erinner mich auch an viele sorgenvolle Fragen.

Ob denn das Geld reichen würde.
_ Nicht wirklich. Und doch irgendwie immer.
Ob es denn unbedingt dieser Mann sein muss.
_ YES und sechs Jahre später 100% Nein.
Ob ich mir denn bitte nicht doch einen Job suchen will.
_ Ich hab’s versucht. Ehrlich.

Sorgen einer Mutter, die immer dann ausgesprochen wurden,
wenn ich selbst nicht vollkommen überzeugt war
von meinem Weg & meinem Leben.
Klassische Bumerang Projektion.
Als sich das geändert hat, hat sich ALLES geändert.
Kein Sorgen mehr. Dafür Interesse. Staunen über mein Buch.

Wird sie es lesen?
I don’t know.
Ist nicht wichtig.

Sie ist die Mutter.

\ ein Teil von mir

Rosalie.
Meine Erste.

Geboren in Blaubeuren.
Der Blautopf ein ErdenPortal, das wusste ich damals natürlich noch nicht.
Die Landschaft oft lockend in lange Spaziergänge
Mystisch umfangend.
Zwei Jahre waren wir dort.
Zwei Monate nach ihrer Geburt zogen wir um.
Fast, als sei dieses Intermezzo explizit für sie gewesen.

Dreißig ist sie dieses Jahr.
Mein Baby.

Die ersten Nächte & Tage mit ihr waren aus der Welt.
Ich bin seitdem nicht mehr die Selbe.
Sie hat mich initiiert ins MutterSein.
zart | klein leicht

In einer Geburt, die kurz & besonders war.

Ich erinner mich an Nächte im Halbschlaf
im Korbsessel beim Stillen
und einen Hauch ihres väterlichen Großvaters
in einer Nacht, in der sein Bild im Bücherregal umfiel.
Er war hier. Er hat geschaut. Schutz & Segen.

Ich erinner mich an Butterzeug mit ZimtZucker
und leicht neurotisches Fingerreiben im Hochstuhl
nach jedem Bissen, um den Zucker abzustreifen.
An einen Christkind Monolog auf dem Schaukelpferd.
An saubere, weiße Kleidchen nach einem Kindergeburtstag
und die erstaunten Fragen der anderen Mütter, wie das bitte geht.
An die Clique in der Grundschule
und das Café ‚Die Blaue Rose‘ (oh yes, damals schon) im Kinderzimmer
mit einer handgeschriebenen Speisekarte.

Ich erinner mich an den sechzehnten & den achtzehnten Geburtstag,
ein sweet 16 Krönchen, Rosenblüten & Kerzen
und eine Torte mit unzähligen Marzipanrosen,
die ihre Schwester und ich mit heißen Händen
in glühender Sommerhitze selbst gemacht hatten,
mitten in meiner größten Beziehungskrise
einschließlich panischem Nervensystem.

Ich erinner mich an einen London Trip,
um ein Kleid & ein Paar Louboutins zu kaufen für den Abiball,
meine Mutter im Schlepptau,
und kunstvolles Verteilen der Preisschilder auf mehrere Karten.

Ich erinner mich auch an schlaflose Nächte nach durchzechten Parties
und ohne Nachricht trotz längst überfälliger Heimkehr.
An lange Fiebernächte. Unvergessen:
Ich knie an ihrem Bett und warte, bis sie wieder schläft.
Die Hände auf meinem Herzen wie im Gebet.
Sie öffnet noch mal die Augen:
‚Oh Gott, Mama, so schlimm?‘
Wir lachen beide. Alles ist gut.

Ich erinner mich an die Nacht,
in der sie meinen Enkel zur Welt brachte.
Mein auf & ab laufen in meinem Himmelreich
und mit ihr atmen, auch wenn ich nicht dabei sein kann.
Die Erlösung am Morgen und die unbändige Freude seitdem.

\ ein Teil von mir

Fiona.
Die Zweite. Die Kleine.

Geboren in Fürth drei Jahre nach ihrer Schwester.
In kürzester Zeit.
Kein Aufhalten mit Unnötigkeiten.
So ist sie bis heute.

Ich erinner mich an ihr erstes Kindergarten Foto.
Ernst. Fast verächtlich. Noch keine drei Jahre alt.
Um nichts in der Welt wollte sie lächeln.
Nicht mal für den fremden Teddy, den man ihr zusteckte.
Very Victorian.
Ich liebe dieses Foto bis heute.
Niemand macht ihr was vor.

Ich erinner mich an Shopping Touren:
Rein zur Tür, ‚hier ist nichts für mich‘, raus zur Tür in dreißig Sekunden.
Sensitives Shopping für Fortgeschrittene.
An ein extra breites Bett im Kinderzimmer,
damit genug Platz ist für Sir Connor, unseren großen Hund,
der partout bei ihr schlafen wollte.
Sie lag trotzdem immer an der Kante.
An Hausaufgaben und ‚Friends‘ Sessions
unter der Bettdecke, Laptop auf dem Schoß, Snacks bereit.
An stumme Minuten vor dem offenen, vollen Kühlschrank,
am Ende ein anklagendes: ‚Wir haben nichts zu essen.‘

Ich erinner mich an die mir heiligen Abende
auf dem weißen Sofa in meiner Wohnung, die mir allein gehörte,
der schwarze Hund zwischen uns auf seiner Decke,
Apple Crumble mit Sahne und einfach zwei Schwestern & Mama.

Ich erinner mich auch an diverse Umzüge in kurzen Abständen
und ein Kind, das weiß, was es will und was es nicht will.
An viele nächtliche Nachrichten aus Thailand
(was mach ich mit der Riesenkakerlake,
die passt nicht mal unter den Papierkorb)
und Schweden (Mama, die Wohnung ist voll mit Spinnen,
die sind einfach überall),
an Schokoladentorten, die meine Backkunst weit in den Schatten stellen
und eine Seminararbeit über rote Zwerge & weiße Zwerge,
die ich zwar gelesen, aber nicht annähernd verstanden hab.

\ ein Teil von mir

Ich erinner mich an meine Töchter, als sie noch in mir waren.
Zwei Teile von mir, die heute außerhalb von mir ein Eigenleben führen.
Als hätte sich mein Herz vervielfältigt.

Ich erinner mich an eine Zusammenkunft.
Oma. Mama. Rosalie. War Fiona schon dabei?
Unsere Hände nebeneinander auf dem Tisch.
Die alte, runzelige. Die etwas glattere. Meine. Die weiche, junge.
Dieses Bild hat sich eingebrannt.

Linie der Hände \

Die Linie _ drei Generationen

Gegeben von der einen zur Nächsten.

die vor mir | die nach mir

Was wird weiterleben?
Was hört auf mit mir?

Welches Erbe trag ich und welches geb ich?
Weit über die BlutLinie hinaus.

offen /

In einem meiner frühen offline Workshops,
die ich mit meiner Lehrerin gab,
hatten wir ein minimalistisches Ritual für die Frauen:

‚Be still, they say.
Watch and listen.
You are the result of the love of thousands.’
(Linda Hogan)

Ich spür das sehr.

| dankbar

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ÜBER DIE AUTORIN | SABINE WEISKOPF

DAS HIER IST MEIN DING

Schreiben. Frequenz auffädeln.
Bewusstsein spürbar machen.
Sprache weben _ neu.
Geströmt aus der fundamentalen Kraft
längst vergangener | jetzt erinnerter Zeiten.

Damit Du _ Schwester _ eintreten kannst.

In den Strom, den Dein Blut kennt.
In die Führung, für die Du gemacht bist.
In den neuen Maßstab, der Du bist.

Gut, daß Du hier bist.