Das Weib an seinem Platz | Mein erstes Buch | ab 17. August 2026 | Mein Geschenk für Dich: Leseprobe & Frequenz eines ErdenPortals |
Das Weib an seinem Platz | Mein erstes Buch | ab 17. August 2026 | Mein Geschenk für Dich: Leseprobe & Frequenz eines ErdenPortals |

Frauen, die meine Weiblichkeit prägen | Teil 1: Meine Ahnfrauen


Der Boden unter dem Boden.
 
Netz meiner AhnFrauen,
deren Schlüssel ich trage
in einer Zeit, die Weiblichkeit
neu erkennt & definiert.
 
Ruhig ist es.
Als würden sie warten
auf die erste, die hervortritt.

Meine Grossmutter _ väterlich.

BudenheimOma hab ich sie genannt,
nach ihrem Wohnort am Rhein.
 
Das Haus gibt es nicht mehr, verkauft Ende 2024,
da lebte sie schon lang nicht mehr.
 
Das Aroma des ganzen Hauses,
in dem ich viele Ferien verbracht hab,
wohnt für immer in meinen Zellen,
auch wenn es den Anker dafür nicht mehr gibt.
Manchmal sehne ich mich danach, wieder dort zu sein.

BalkonSommer in Budenheim

Ich hab es geliebt, dieses Haus.

Marmortreppe. Glasbausteine. Dielen.
Ein großer Garten, der Duft von Tagetes.
Eine geheimnisvolle Garage am Ende des Gartenwegs,
in der nie ein Auto stand, denn das gab es nicht.
Die Bahnlinie über die Straße,
die meine Liebe zu Zuggeräuschen geprägt hat.


 
Ich erinner mich an Erdbeerkuchen
und den Handmixer mit der roten Holzkurbel,
den Oma locker aus dem Handgelenkt bedienen konnte,
um die Sahne zu schlagen.
Immer in den Pfingstferien.
 
Ich erinner mich an die Speisekammer mit dem kleinen Fenster.
Hinten in der Küche eine Tür, dahinter Regale,
auf denen Brot, Honig, manchmal Wurst & Käse
und unzählige andere Dinge aufbewahrt wurden.
Marmelade. Marmelade in großen Mengen.
Die Marmeladenbrote bei Oma sind gespeichert in meiner Zunge.
Den roten Emaille Brotkorb hab ich mitgenommen,
als das Haus verkauft wurde.
 
Ich erinner mich an die Kaffeemühle.
Hoch auf einem Regal in der Küche,
so hoch, daß ich sie als Kind nicht erreichen konnte.
Mit der Mühle im Schoß, die fast knielangen grauen Haare im Dutt,
so seh ich Oma heute noch sitzen und frischen Kaffee mahlen.
Die kleine Schublade und der Duft der Bohnen
öffneten für mich als Kind wohlig mystische Tore zu fernen Welten.
 
Ich erinner mich an Omas Lachen.
Viele lustige Fältchen. Die Augen leuchtend.

Aus Erzählungen weiß ich,
daß es Landwirtschaft gab und ein arbeitsreiches Leben.
Katzen und andere Tiere permanent um die Füße.
Ihr Mann, mein Großvater, mit der Feldpost im Krieg
und nach Kriegsende noch Jahre in Gefangenschaft.
Was das mit den Frauen, mit der ganzen Familie gemacht hat.
Nicht zu wissen, ob er wiederkommt und wann.
Das kann ich mir nicht annähernd vorstellen.
 
Als er zurück war, hat er das Haus gebaut.

Ich spür die Wirkung.
Ich spür, daß es für mich war.
 
RheinTochter _ wie ich |
 
\ ein Teil von mir

Der Garten meiner BudenheimOma

Die Tochter dieser Grossmutter.

Meine Tante, Schwester meines Vaters.
Tante Brigitte.
 
Sie ist meine Patin.
Nie verheiratet.
Eine einzige Beziehung, da war sie älter als ich heute bin.
In Sachen Geld: Alles richtig gemacht.
 
Ich erinner mich an schicke Kleider.
An eleganten Schmuck & edlen Modeschmuck.
An lackierte Fingernägel, die mich faszinierten.
Sie hat mich eingeführt in die Kunst des Nägel Lackierens,
da war ich grad mal in der Grundschule.
 
Ich erinner mich an Bootsfahrten auf dem Rhein
vom einen Ufer zum anderen,
an den Spaziergang, der folgte, und das Eis am Ende.
An Wutzweck (Gebäck mit Speck) im Gasthaus zu Mittag.
An Ausflüge zur Loreley auf großen Schiffen von Mainz aus.
 
Ich erinner mich an die Steppdecke mit großen Blumen
und die Kommode mit dem dreiteiligen Spiegel in ihrem Zimmer,
der mich als Kind endlos faszinierte.
 
Ich erinner mich auch an den Umzug meiner Tante in ein Heim.
Das Loslassen der vertrauten Umgebung.
Das Weggeben lieb gewonnener Möbel & Bilder,
von denen ein paar heute bei uns zu Hause sind.
 
Ihr Ankommen in Gebrechlichkeit & Reduktion
macht bis heute was mit mir.
Wenn wir sprechen, dann ist da eine ‚andere‘ Verbindung.
 
RheinTochter _ wie ich |
 
\ ein Teil von mir
 
Die andere Seite.

Meine Grossmutter _ mütterlich.

MühlhofOma hab ich sie genannt,
nach ihrem Wohnort in Nürnberg.
 
Auch dieses Haus gibt es nicht mehr.
Sie hat es selbst verkauft, als sie noch bei Kräften war.
Zu groß. Zu viel Mühe.
Umzug in eine kleine, sehr feine Wohnung.
 
Dieses Haus.
Ich wünschte bis heute manchmal, ich könnte es haben.
So, wie es damals war.
Die Anordnung der Zimmer war besonders.
 
Der Dachboden mit seinem holzigen Duft
und den unzähligen Winkeln & Ecken voller Abenteuer.
Schubladen mit Briefen in einer Schrift,
die ich unmöglich entziffern konnte und so gern entziffert hätte.
Der Schrank mit alten, selbst genähten Faschingskostümen.
Eins davon hab ich tatsächlich getragen.
Ein anderes lebt jetzt als Kissen weiter in meinem Himmelreich.
Der Chapeau Claque. Die Matrosenmütze. Viele Nachmittage.
 
Ich seh meine Oma bis heute werkeln in der Küche
und Apfelstrudel & Rohrnudeln zubereiten.
Manchmal Täubchen am Sonntag,
denn hinter dem Haus im Hof gab es einen Taubenschlag.
Reich meines Großvaters.

Unternehmerin war sie, meine Oma.

Eine der ersten Frauen, die ein Auto hatten.
Ihr Kurzwarenladen war verbunden mit dem Wohnhaus
durch eine Tür vom Wohnzimmer aus, verhangen mit Stoff.
Sie ging ein und aus, wie es ihr beliebte.
 
Königin |
 
Als Kind faszinierte mich das immens.
Das hat mich mehr geprägt, als mir lang bewusst war.
Dieses ‚Eigene‘ zu haben. Darüber zu herrschen. Das wollte ich.
Heute weiß ich: Es ging nicht darum, einen Laden zu haben
oder ein Unternehmen zu führen.
Obwohl der Traum vom Café immer noch manchmal leise pocht.
Es ging immer um das Gefühl darunter, das ich ihr angesehen hab:
 
Sie wusste, wer sie ist.
Sie hat das Leben mit Genuss genommen.
 
Ihre Kleider maßgeschneidert, die Stoffe erlesen, der Schmuck edel.
 
Die Abenteuerlust in meinem Blut?
Die hab ich von ihr.
 
Sie ist viel gereist.
Bis es gar nicht mehr ging.
 
Sie hat _ immer _ Kontakt hergestellt.
Wenn sie allein unterwegs war, hat es nie lang gedauert,
bis jemand bei ihr saß oder sie sich zu jemandem setzte.
Die Augen wach blitzend auf der Suche nach dem Band.
Ein heiter diskretes Wort, eine Antwort, der Rest _ Geschichte.
Neue Bekanntschaften überall.
 
Reich war sie, diese Oma.
Oft steckte sie mir und meinem Bruder Geld zu.
Taschengeld, für das wir die Münzen gemeinsam zusammenzählten.
Später größere Beträge für die kluge Steuerrechnung.
Geld war immer mehr als genug da.
Ihr Umgang damit bedacht & enspannt.
 
Ich erinner mich an einen Nachmittag in meiner ersten eigenen Küche.
Sie hat Strudel gemacht, ich hab mitgeschrieben und genau zugehört.

Elefanten _ schon immer

Wenn ich Apfelstrudel mache,
dann steht sie bis heute bei mir.

Es sind die kleinen, unscheinbaren Begebenheiten,
die sich in mein Gedächtnis gebrannt haben.
Ein Urlaub mit meinen Töchtern an der Ostsee
in einer zauberhaften Ferienwohnung direkt am Strand.
Unsere erste Reise zu dritt nach der Trennung von ihrem Vater.
Oma, meine Mutter und meine Tante kamen für ein paar Tage dazu.
Im Haus der Unterkunft gab es einen kleinen Laden
mit allerlei hübschen & hochwertigen Dingen,
die niemand braucht und jeder haben will.
Oma spendierte meinen Töchtern je ein Kuscheltier,
es kamen diverse Kleinigkeiten zusammen.
An der Kasse, die Dame tippte nach und nach ein.
Meine Oma stand still dabei, und bevor der Kassenzettel da war,
sagte sie exakt den korrekten Betrag und zückte ihr Portemonnaie.
Der Blick der Dame an der Kasse _ unbezahlbar.
 
Meine Töchter waren noch klein, sie erinnern sich genau.
Oma war damals weit in den Achtzigern.
 
Unternehmerin _ wie ich |
 
\ ein Teil von mir

Die Tochter dieser Grossmutter.

Meine Tante, Schwester meiner Mutter.
Tante Klärle.
 
Ob sie einverstanden wäre, weiß ich nicht,
aber ich würde sie als Rebellin bezeichnen.
 
In dem ihr möglichen Ausmaß hat sie aufbegehrt.
 
Kurzes Haar.
Schwarze Kleidung.
Frühe Heirat.
Weit weg der Heimat.
 
Ich hab sie oft bewundert.
Ihren Mut gesehen und das ganz andere Leben,
in das sie sich gegeben hat.
Daß darin viel Unbequemlichkeit & Schmerz lag,
das wurde mir erst später klar, als ich erwachsen war.
 
Der Preis, den wir zahlen. Nicht immer freiwillig.
 
Sie bleibt in einer Distanz.
Es gibt nicht viel zu sagen.
 
Ich erinner mich an eine Reise in die Toskana.
Nach meinem Abitur _ Oma, meine Mutter, die Tante & Ich.
Mit dem Bus gen Süden für eine Woche. Nur die Weiber.
Gemischte Gruppe, und einer ist immer dabei, der komisch ist, oder?
 
Ein zauberhaftes altes Landgut, wie es heute viele gibt.
Damals war diese Art zu reisen noch eher neu.
Im weiten Umkreis keine Zivilisation, nur Pinien & Hügel.
 
Tagsüber mussten wir uns selbst versorgen.
Wir saßen also eines Mittags auf der Terrasse,
vor uns Teller mit Tomatensuppe,
die wir gekonnt & erfindungsreich aus Dosentomaten
und dem, was die Umgebung bot, gezaubert hatten.
Pimp my soup.
Die eine ‚besondere’ Dame aus der Reisegesellschaft kam vorbei:
‚Oh, habt ihr euch Tomatensuppe gekocht?‘
Meine Tante, staubtrocken:
‚Die haben wir vom Partyservice bringen lassen.‘
 
Humor | 0% BS | eigen
 
Das ist meine Tante.
 
\ ein Teil von mir

Was meine Omas zu meinem Buch sagen würden.
Ich glaub sie würden staunen.
Was meine Tanten sagen werden, das werden wir sehen.
 
Meine Mutter _ hab ich ausgelassen.
Von ihr und von meinen Töchtern _ in Teil 2.
 
°
 

Teilen Erwünscht

MEHR AUS DEM BLOG VON SABINE WEISKOPF

ÜBER DIE AUTORIN | SABINE WEISKOPF

DAS HIER IST MEIN DING

Schreiben. Frequenz auffädeln.
Bewusstsein spürbar machen.
Sprache weben _ neu.
Geströmt aus der fundamentalen Kraft
längst vergangener | jetzt erinnerter Zeiten.

Damit Du _ Schwester _ eintreten kannst.

In den Strom, den Dein Blut kennt.
In die Führung, für die Du gemacht bist.
In den neuen Maßstab, der Du bist.

Gut, daß Du hier bist.